Klartext

Me Too

#MeTooMe Too – dieser Hashtag bewegt zur Zeit die ganze Welt und auch ich möchte etwas dazu sagen. Auslöser für die Debatte waren die zahlreichen Übergriffe von Harvey Weinstein, die ans Licht gekommen sind. Die Schauspielerin Alyssa Milano hatte die Idee, dass wenn jede Frau, die in ihrem Leben bereits sexuell belästigt wurde, #MeToo als Status in den sozialen Medien verwendet, das eigentliche Ausmaß verdeutlicht wird.

„Ein alberner Trend, den sich Frauen zunutze machen, um nach Aufmerksamkeit zu gieren.“, denken die Einen.

Mädchen und Frauen werden verschleppt, vergewaltigt, verkauft, gequält, erdiedrigt und geschlagen – das alles wissen wir und das ist so schrecklich, dass man die „kleineren“ Missbräuche und Erniedrigungen, denen man als Frau so im Leben ausgesetzt ist, bagatellisiert. Natürlich gibt es Abstufungen in der Schwere einer Tat, aber was bleibt ist die Tat.

Es ist Unrecht, wenn mich ein fremder Mann begrapscht. Es ist falsch, wenn mir ein Mann lüstern sagt, dass er mich enorm glücklich machen könnte. Kein Mann darf mir ungewollt an die Brust fassen, auch nicht wenn er so tut, als wäre er abgerutscht. Es ist extrem übergriffig, wenn mir als Mädchen ein Mann sagt, er möchte gern zwischen meine Beine. Es ist auch Missbrauch, wenn der Lehrer verlangt, dass man auf seinem Schoß sitzt und im Sportunterricht kein Unterhemd tragen darf. Es ist Belästigung, wenn mich ein Typ auf der Straße versucht zu küssen.

Habe ich etwas gemacht? Nein. Habe ich die Männer angezeigt? Nein.

Die Frage ist warum? Ganz einfach, weil ich dachte, es ist ja nichts passiert. Als Mädchen und Frau lernt man damit zu leben. Leider ist das so – auch heute noch! Natürlich mache ich schon mal den Mund auf, aber es darf doch bitteschön nicht die Aufgabe der Frauen sein, die Männer in Schranken zu weisen! Die Gesellschaft tut immer so emanzipiert, aber sexuelle Belästigung findet statt und zwar jeden Tag!

Was mich am traurigsten macht, sind Aussagen von Frauen! wie z.B.

„Also mich stört das nicht, wenn mich mal ein Mann komisch berührt. Wenn nicht sag ich was oder so, aber dieses Rumgeheule ist unnötig.“

Jede Frau ist anders. Es ist toll, wenn einige Frauen damit kein Problem haben, aber bitte stellt damit nicht die Tatsache in Frage, dass es nicht richtig ist. Frauen sind nicht nur zu schwach, um sich zu wehren, sie sind nicht nur vielleicht zu doof, ein Kompliment zu verstehen, sie sind nicht einfach nur sensibel – nein! Es ist niemals die Schuld der Frau, wenn sie erniedrigt wird!

Ich will hier nicht alle Männer an den Pranger stellen. Es gibt auch viele vernünftige, die respektvoll mit Frauen umgehen. Auch geht es nicht darum, dass Männer Frauen nichts mehr sagen dürfen. Und wenn die Männer, die sich nicht richtig verhalten, ehrlich wären, dann wissen sie ganz genau, dass ihr Satz kein Flirtversuch war, sondern bloße Belästigung.

Es geht auch nicht darum, wenn mir ein Mann mal auf die Schultern tippt oder mich in der S-Bahn anrempelt. Es geht um die gezielten Angriffe, Sprüche und Sexualisierungen. Mädchen sollten nicht mit der Erkenntnis aufwachsen, dass das halt so ist. Als würden Männer nichts für ihre Triebe können und solange man brav ist und nichts schlimmeres geschieht, kann darüber hinweg geschaut werden.

Schaut nicht weg! Es ist egal, ob ihr den Hashtag benutzt oder nicht, denn darum geht es nicht, aber redet darüber, egal mit wem, egal ob öffentlich oder nicht.

Ich hoffe, die Männerwelt erkennt die Dimension und reflektiert ihr eigenes Verhalten, denn es betrifft auch ihre Schwestern, Mütter, Freundinnen und Töchter.

Was denkt ihr über #MeToo?

signatur

 

 

 

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8 Comments

  • Reply
    SaritLovesLife
    19. Oktober 2017 at 20:19

    Großartiger Blogpost! Sehe ich absolut genauso! Ich finde es sehr gut, dass jetzt diskutiert wird! Ich versuche, meine Töchter zu starken Persönlichkeiten zu erziehen und ihnen klarzumachen, dass solches Verhalten Frauen gegenüber niemals „normal“ ist und sein darf.

    • Reply
      sala83
      22. Oktober 2017 at 14:39

      Vorbildsein ist wichtig!

  • Reply
    Marina
    20. Oktober 2017 at 13:33

    Super, Blogpost!
    Wobei ich zum letzten Satz sagen muss: immer wieder, wenn irgendwie was passiert, dann sagen Politker „Ich bin selber Vater einer Tochter“ oder „Ich habe selbst 2 Schwestern“ oder so. Dabei finde ich, dass Männer auch ohne Töchter oder Schwestern wissen sollten, was sie falsch machen, wenn du weißt, was ich meine. Aber das ist wohl vergebene Hoffnung.

    • Reply
      sala83
      20. Oktober 2017 at 15:55

      Nein, ich verstehe deinen Einwand total. Es ist eher so eine Art Appell an die Männer für mehr Einsicht, die natürlich auch allein aus Respekt vor dem menschlichen Individuum resultieren sollte!

  • Reply
    Véronique
    20. Oktober 2017 at 13:59

    Sehr schön gesagt. Genau was ich auch denke. Ist für mich kein akktuelles Thema aber ich denke an meine Tochter.

    • Reply
      sala83
      22. Oktober 2017 at 14:40

      Das Problem ist ja leider, dass man nie weiß, wann es aktuell wird 🙁 Aber ich hoffe, irgendwann werden junge Frauen mit einem anderen Selbtsverständnis groß!

  • Reply
    luziene
    20. Oktober 2017 at 15:03

    Wie gut, dass es das Internet gibt. Ich kenne das, dass man dann auch noch als doof dasteht, wenn man sich über Übergriffe entrüstet. Es gibt ja sogar auch Ärzte, die während einer Untersuchung grabschen. Es passiert eben überall. Wir Frauen sind eben nicht das Freiwild. Langsam muss dies doch auch bei den Kerlen ankommen. Ich möchte, dass meine Töchter unbehelligt sich durch den Alltag bewegen können.

    • Reply
      sala83
      22. Oktober 2017 at 14:42

      Auch mir ist jetzt schon viel Kritik entgegen gebracht worden. Am meisten verletzt es mich, dass es oft Frauen sind. Wenn da schon keine Solidarität herrscht…traurig.

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